Vorhaben:
Ein Ausstellungsbesuch beginnt mit einem einführenden Film, der dem Besucher eine Orientierungshilfe für die Thematik bieten soll. An den schließt sich Rundgang durch die
historischen Klostergebäude an. Auf dem Weg durch die Wandelgänge erhält der Besucher einen Einblick in Geschichte, Entwicklung und Bedeutung des Kartäuserordens.
Anschließend sind die Kartäuser in den Niederlanden an der Reihe, das Roermonder Kloster als exemplarisches Beispiel, dessen Charakteristika herausgestellt werden.
Nicht nur die Tatsache, dass es als einziges erhalten blieb, macht es zu etwas Besonderem. Ursprünglich war eine Wallfahrtskapelle, die so genannte Bethlehemkapelle der
Anlass dafür, dass sich die Kölner Kartäuser in Roermond eine Filiale einrichteten. Dies Bethlehemkapelle wurde leider abgerissen, weshalb ihrer Baugeschichte besonderen
Raum einräumt. Mit Hilfe topografischer Unterlagen und virtueller Möglichkeiten wird der Besucher zurück in die baugeschichtlichen Anfänge der Kartause zu Roermond geführt.
Anschließend erfährt er etwas über den Alltag im Leben der Kartäuser und die Bedeutung der Kartause für die Stadt und ihre Umgebung.
Der Saal, der den Kartäusern als Kapitelsaal diente, wird für die Zeit der Ausstellung zur Schatzkammer. In der sind eine Reihe sehr kostbarer Leihgaben zu sehen,
die deutlich machen, welche Bedeutung die Kunst für die Mitglieder des Kartäuserordens hatte. Im ehemaligen Kapitelsaal geht man der Frage nach, wie man es sich erklären kann,
dass ein so strenger Orden über so wertvolle Kunstwerke und Gebäude verfügen kann. Welche Funktion erfüllt die Kunst im Leben der Kartäusermönche?
Vom zur Schatzkammer unfunktonieren Kapitelsaal führt der Weg in die Kapelle. Sie haben die Ausstellungsmacher drei Themen gewidmet. Zunächst einmal beschäftigt sie die
Ermordung von zwölf Kartäusern durch die Truppen Wilhelm von Oraniens im Jahre 1572, die hier begraben sind. Große Gemälde, Handschriften und Drucke erinnern an die
Märtyrer und das dunkle Kapitel, mit dem sie in die Ordengeschichte eingegangen sind. Es spielte in der Zeit der Gegenreformation. Im Chor der Kapelle steht die
Liturgie im Mittelpunkt. Neben einer Rekonstruktion des Hochaltares, der jetzt in der Pfarrkirche von Thorn steht, sind liturgische Gefäße und Paramente, die aus der Kartause erhalten
blieben, ausgestellt. Der dritte und letzte Punkt, dem sich die Ausstellung in der Caroluskapelle widmet, ist der Kartäusermönch Dionysius van Rijckel.
Der Doktor der Exegese und Theologe des Spätmittelalters hat den größten Teil seines Lebens in der Roermonder Kartause zugebracht.
Google findet im Bruchteil einer Sekunde Hinweise für einen ganzen Tag Arbeit über diesen bedeutenden Theologen.
Dionysius ist nicht der einzige bedeutende Autor, den das Roermonder Kloster hervorgebracht hat. Dafür stehen Namen wie Henrick Egher van Kalkar und Bartholomeus van Maastricht,
mit denen die Ausstellung ihre Besucher bekannt macht. In das intellektuelle Klima taucht man mit dem letzten Teil der Ausstellung ein. In der Bruderkapelle steht der Besucher
der Buchkultur der Roermonder Kartäuser gegenüber. An den Wänden wieder Reste der monumentalen Wandmalereien aus dem Mittelalter, vor diesem Hintergrund kostbare
Handschriften und Drucke aus dem Besitz der Roermonder Kartause.
Die Roermonder Kartäuser und ihre Kunst (Liesbeth Zuidema)
Erst kürzlich rückte der deutsche Regisseur Philip Gröning den strengen Orden der Kartäuser mit seiner beeindruckenden Dokumentation "Die große Stille" (Into Great Silence)
ins Bild der Öffentlichkeit. Obwohl die Klausner entsprechend ihrer Ordensregel ein einfaches Leben führen, kamen ihre Klöster in den Niederlanden während des späten Mittelalters
doch in den Besitz verschiedener, wertvoller Kunstschätze. Anlässlich dieser Ausstellung verwandelt sich der ehemalige Kapitelsaal in eine Schatzkammer,
in der die Besucher einen Eindruck von der ursprünglichen Einrichtung einer Kartause erhalten. In dieser Meldung wird nur ein wenig vom Schleier gelüftet, der die
Überraschung noch verbirgt. In der Schatzkammer werden einige Kunstgegenstände ausgestellt werden, die dem Besucher etwas über die unterschiedlichen Funktionen der
Objekte in einem Kartäuserkloster erklären. Die Kartäuser verbrachten den größten Teil ihres Lebens in der Stille und Einsamkeit ihrer Zelle. Hier beschäftigten sie sich
täglich mit den Momenten der Leidensgeschichte Christi. In der Schatzkammer sind deshalb einige Devotionalien zu sehen, welche die Kartäuser anregten, sich in das Leben Jesu
hineinzuversetzen. Da wird zum Beispiel ein prächtiges, zweiteiliges Retabel zu sehen sein, das der Kartäuser Willem Bibau 1523 beim Meister der Magdalenalegende in Auftrag gab.
Willem war ein richtiger Karrieremönch. Er war nicht nur der Prior des Kartäuserklosters Sint Gertruidenberg sondern auch Generalprior des Kartäuserordens.
Auf der rechten Hälfte des Retabels ist Willem dargestellt, wie er zur Jungfrau Maria mit dem Christuskind betet, das auf der linken Hälfte dargestellt wird.
Auf der Rückseite ist rechts der Kreuzestod auf die Darstellung der fünf Wunden reduziert. Damit wird ein Eindruck von der Spiritualität eines spätmittelalterlichen
Kartäusers vermittelt, die sich im Wesentlichen auf das körperliche Leiden Christi konzentrierte. Die Kunstgegenstände in den Zellen eines Kartäuserklosters erfüllten
also für die Klausner eine devotionale Funktion. Neben dem Weltbild der Kartäuser findet man allerdings auch Spuren der laizistischen Weltsicht in einem Kartäuserkloster.
Anhand des Jahrbuches der Utrechter Kartause weiß man, dass sich in den Gängen des Klosters zahlreiche Gräber von Laien befanden. In die Nähe dieser Laiengräber wurden
einzelne Erinnerungsstücke aufgestellt, welche die Erinnerung an die Toten lebendig erhielten. Ein solches Erinnerungsstück ist das Triptychon (2. Foto auf der u.g. Website),
dessen Läden der Delfter Bürgermeister Dirk van Beesd 1514 beim Meister von Delft in Auftrag gab. Das Triptychon stand in der Nähe der letzten Ruhestätte, die der Bürgermeister
in der Delfter Kartause gefunden hatte. In der Mitte sind Anna, Maria und Jesu zu sehen. Links Dirk und seine Söhne und rechts seine Frau mit der Tochter beim Gebet im
Portrait beim Gebet. Ihr Sohn Dirk war in das Kartäuserkloster zu Delft eingetreten, im Bild ist er im weißen Habit zu sehen. Die Portraits und Wappenschilder des Ehepaares
stehen für die weltliche Sicht des Lebens in der damaligen Zeit. Bei geschlossenen Läden sieht man Hieronymus, der in der Wildnis Buße tut. Diese Darstellung steht für die
Weltsicht aus der Perspektive der Delfter Kartäuser. Das Delfter Triptychon spiegelt also das Wechselspiel der Laien und der Mönche, wie es sich damals in einer Kartause manifestierte.
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